Oratorio di San Rocco
Geschichte und Kultur
piazza San Rocco - 15057 Tortona (AL)
https://www.cittaecattedrali.it/it/bces/39-oratorio-di-san-rocco-tortona
Das Oratorium San Rocco wurde von der „Confraternita della Misericordia“ erbaut, die erstmals 1534 urkundlich erwähnt wurde. Die Aufgabe dieser Bruderschaft bestand darin, Gefangene und zum Tode Verurteilte zu unterstützen: Die Brüder mussten in den drei Tagen vor ihrer Hinrichtung ins Gefängnis gehen, um ihnen beizustehen. Am Hinrichtungstag begleiteten sie sie dann zum Richtplatz und kümmerten sich schließlich um ihre Beerdigung.
Ihr ursprüngliches Domizil befand sich in der Abteikirche Santo Stefano, die heute nicht mehr existiert. Um 1586 zogen sie in die Pfarrkirche San Michele um. Mit der Zeit gestaltete sich das Zusammenleben jedoch schwierig, sodass die Brüder beschlossen, ein eigenes Oratorium zu errichten.
Die Bauarbeiten begannen 1622, und 1626 wurde das den Heiligen Rochus und Sebastian geweihte Oratorium eingeweiht. Die Bauarbeiter kamen aus Lugano, aber auch die Brüder leisteten unentgeltliche Arbeit. Trotzdem zogen sich die Arbeiten aufgrund finanzieller Engpässe lange hin.
Die zweigeschossige Fassade wurde erst 1725 fertiggestellt: Der untere Teil weist einen dreibogigen Portikus mit einem Lünettenfenster auf. Zu beiden Seiten befinden sich in zwei Nischen zwei Putten mit erhobenen Armen, die eine Muschel auf dem Kopf halten. Die Fassade schließt mit einem dreieckigen Giebel ab.
Im Inneren besticht die Kirche mit ihrem einschiffigen Langhaus, das in einer halbrunden Apsis endet, durch eine reiche, typisch barocke Ornamentik.
Eine polychrome Marmorbalustrade trennt das Langhaus vom leicht erhöhten Presbyterium. Der mit Marmor in verschiedenen Farbtönen eingelegte Hochaltar wurde 1754 bei der lombardischen Marmorarbeiterfamilie Giudici in Auftrag gegeben und 1757 fertiggestellt. Die Gewölbe des Oratoriums wurden 1936 von den beiden Freskenmalern Domenico Fossati und Pietro Mietta aus Tortona ausgeschmückt.