Forte di Gavi

Das durch seinen Weisswein bekannte Städtchen Gavi ist sehr alten Ursprungs. Es existierte schon im Neolithikum und zu römischer Zeit war Gavium ein wichtiger Ort, der an der Strasse lag, die via Postumia und via Emilia verband. Schon in dieser Epoche wurde eine Burg auf dem oberhalb der Ortschaft liegenden Felsenvorsprung erwähnt, die die alte Strasse, die Genua mit dem Monferrato und der Lombardei verband, überwachte. Nach dem Fall des Imperiums fiel Gavi unter mehrere Herrschaften bis es in genuesischen Besitz geriet. Sichere historische Angaben zum Schloss gibt es seit dem 12. Jahrhundert. Es ging von Barbarossa auf seinen Sohn Enrico über, der es wiederum Genua übergab. Das Schloss war Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Tortona, Genua und Alessandria.
Der wirkliche Festungscharakter wurde dank des Eingriffs des Militäringenieurs Vincenzo Maculano, Fiorenzuolo genannt, erreicht, der im Jahre 1625 von der Republik Genua beauftragt wurde, ein Projekt zu entwickeln, das die Sicherheit und die kriegerische Macht der alten Burg verstärken sollte. Der aktuelle Bau ist ein sternförmiges Vieleck mit sechs Bastionen, die untereinander in spitzem Winkel durch Kurtinen verbunden sind. Im Innern des Vielecks können zwei Bereiche ausgemacht werden: der Hauptturm oder oberes Festungswerk, der den ursprűnglichen Kern einschliesst und die Zitadelle oder unteres Festungswerk, das aus den hinteren Gebäuden besteht. Der Hauptturm hat eine imposante Struktur, sein Mauerwerk setzt sich hauptsächlich aus behauenen Quadern zusammen.
Die Zitadelle besteht aus zwei langen Gebäuden, einer Kapelle und einem niedrigen Gebäude, von dem aus man Zugang zu einem Innenhof hat, in dem zwei grosse Zisternen das Regenwasser von den Dächern auffangen. Im unteren Festungswerk liegen weitere Gebäude, die früher als Lager, Depot und Pulverkammer dienten.
Die Festung von Gavi war von der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Jahre 1907 eine ländliche Strafanstalt. Im ersten Weltkrieg diente sie als Gefängnis fűr die österreichischen Gefangenen und im zweiten Weltkrieg für englische Soldaten. Danach benutzten es die Deutschen als Gefangenenlager für die italienischen Offiziere.